Schützt die Antarktis!

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Im Oktober 2018 haben wir die Chance, das weltweit größte Meeresschutzgebiet im antarktischen Weddellmeer einzurichten. Wieso 2018? Die EU hat den Vorschlag eines Meeresschutzgebietes bei der Antarktis-Schutzkommission eingereicht. Dieses vorgeschlagene Gebiet wäre 1.8 Millionen Quadratkilometer groß und somit fünfmal so groß wie Deutschland! Durch den „Weltpark Antarktis“, der 1998 in Kraft trat, steht bereits die Landmasse der Antarktis unter Schutz. Jetzt soll durch das Meeresschutzgebiet im Weddellmeer, das einzigartige und höchst sensible Ökosystem vor Industrieller Fischerei und Ausbeutung durch einzelne Länder zusätzlich geschützt werden.

 

Sieben Gründe, die für die Einrichtung eines Meeresschutzgebiets sprechen:

 

  1. Aufgrund der schwierigen und nahezu unschiffbaren Eisverhältnisse hat es im Weddellmeer bisher keine kommerzielle Fischerei gegeben. Deshalb ist es eine der letzten Regionen der Antarktis, in der das natürliche Gleichgewicht kaum von menschlichen Aktivitäten beeinflusst wird.
     
  2. Im antarktischen Winter sind 75 Prozent des Weddellmeers mit Eis bedeckt. Dieses Meereis ist die Grundlage des Nahrungsnetzes, da an ihm Eisalgen und Bakterien wachsen. Diese werden von Krill und anderen Kleinstlebewesen gefressen, die wiederum die Nahrungsgrundlage für Fische, Pinguine, Robben und Wale bilden.
     
  3. Die Bedingungen für die Tiere des Weddellmeers sind extrem. Um Energie zu sparen, haben sie einmalige Techniken entwickelt. So bilden Eisfische Frostschutz-Proteine aus, die das Gefrieren des Bluts verhindern. Jegliche wirtschaftliche Aktivität im Weddellmeer würde diese empfindlichen Bestände gefährden.
     
  4. Meeresbiologen vergleichen die Artenvielfalt des Südpolarmeeres mit der tropischer Riffe. In unterschiedlichen Lebensgemeinschaften leben auf dem Grund des Weddellmeers rund 14.000 Tierarten. Wie empfindlich diese Organismen allerdings auf die Folgen des Klimawandels und auf menschliche Aktivitäten reagieren, kann derzeit niemand sagen.
     
  5. 90 Prozent der Fische im Weddellmeer gehören einer einzigen Art an: dem Antarktischen Silberfisch (P. antarctica). Der heringsähnliche Fisch lebt in Wassertiefen bis zu 600 Metern. Im Weddellmeer haben sie einen wichtigen Laichgrund, wobei ihr Fortpflanzungserfolg unmittelbar vom Meereis abhängt. Vor dem Hintergrund des zurückgehenden Eises ist diese Abhängigkeit gefährlich. Sollte sich der Antarktische Silberfisch nicht mehr wie gewohnt vermehren, wäre das gesamte Nahrungsnetz im Weddellmeer bedroht.
     
  6. Viele große Vogelarten leben am Weddellmeer. Mehr als 300.000 Paare des Antarktischen Sturmvogels (Procellaria spec.) – die Hälfte des Gesamtbestandes – brüten nahe der Küsten. In Konkurrenz zu Kaiser- und Adelie-Pinguinen jagen die verschiedenen Sturmvogelarten im Weddellmeer nach Krill und Antarktischem Silberfisch, um sich die notwendigen Fettreserven für den Winter anzufressen.
     
  7. Auch vielen Meeressäugern dient das Weddellmeer als Speisekammer. Wissenschaftler*innen haben bisher sechs Robben- und 12 Walarten dokumentiert. Auch sie ernähren sich vor allem von Krill und Antarktischem Silberfisch. Bekannte Vertreter wie Buckel- und Blauwale, aber auch die Antarktischen Zwergwale stehen im Zentrum des kleinen Nahrungsnetzes, das für die Polarmeere typisch ist.

 

Quelle: Greenpeace e.V.

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