Wir haben es satt!

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Schon zum neunten Mal in Folge fand die Agrardemo statt - wie immer pünktlich zur Grünen Woche. Eine bunte Menschenmenge versammelte sich bis Mittag am Brandenburger Tor. 35.000 Menschen haben sich trotz der Kälte eingefunden, Menschen aus verschiedenen Gruppen und Organisationen. Viele Fahnen wehen im Wind, dazwischen selbstgemalte Pappschilder, riesige, fliegende Insekten, bemalte Gesichter und bunte Kostüme. 171 Traktoren fahren dem beeindruckenden Protestzug voraus, so viele wie noch nie! Die meisten von ihnen sind schon früh am morgen oder Tage zuvor losgefahren, um nun hier zu sein. Auch wir sind mit dabei und schließen uns dem Greenpeace-Block an, vor uns das große Schwein, neben uns die gewaltige Hühnerkralle, die ihre mittlere Zehe zum Protest in den Himmel streckt.

Nach einer langen Kundgebung ziehen wir nun durch die Straßen des Regierungsviertels. Wir sind gut zu hören: Mit Lautsprechermusik, lauten Sprüchen, Trommeln und Kochtöpfen machen wir auf uns aufmerksam. Man könnte es für "ein bisschen Gaudi" halten – so wie Agrarministerin Julia Klöckner es getan hat [1]. Doch was uns alle vereint, ist der Wunsch, dass sich endlich etwas verändert: Der Wunsch nach einer sozial-ökologischen Agrarwende und die Wut auf das Weiter-so der Politik in Bund und Europa. Wir sind wütend, weil auf die Zerstörung von Naturräumen und den damit verbundenen Rückgang der Artenvielfalt immer noch nicht angemessen reagiert wird. Wir sind wütend, weil vonseiten der Agrarpolitik viel zu wenig unternommen wird, um den Klimawandel zu bekämpfen. Und wir sind wütend, weil ein Großteil der Agrarsubventionen nach wie vor einer Agrarindustrie zugute kommt, die massenweise Tierleid produziert und kleinen Bauernhöfen die Existenz raubt.

Uns ist klar: Essen ist politisch. Uns ist nicht egal, Wo wir einkaufen, was wir konsumieren und wer am Ende unser Geld erhält. Uns ist aber auch klar, dass es damit nicht getan ist. Mit unserer alljährlichen Agrar-Demo möchten wir zeigen, dass es politisch viel zu tun gibt: Sei es ein Verbot der Neonikotinoide, des Kükenschredderns, der Kastration von Schweinen ohne Betäubung, oder sei es der dringende Bedarf, Monokulturen in artenreiche Anbauflächen umzuwandeln und Landwirtschaft endlich gerecht zu finanzieren.

Was bleibt, sind Kreidesprüche auf der Straße, wenig überraschende aber dennoch enttäuschende Reaktionen der Bundesagrarministerin - und ein großer Dank an Susanne von Unverpackt Würzburg [2], die unsere gemeinsame Busfahrt organisiert hat und stets mit einem Lächeln in die Zukunft blickt. Wir alle nehmen etwas mit: Das Wissen, dass es noch viel zu tun gibt, und dass wir nicht alleine sind mit unserer Wut und unseren Forderungen. Deshalb werden wir wieder kommen, bis Landwirtschaft und Umwelt endlich die Anerkennung erhalten, die sie auch verdienen.

[1] Bericht aus Berlin vom 20.01.2019. https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2Jlcmlja...
[2] https://www.wuerzburg-unverpackt.de/

Benedikt Seger

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